Was bedeutet BDSM für mich persönlich?
In einem Satz gesagt: „BDSM ist für mich die Leiter zwischen Himmel und Hölle, die Verbindung von Körper und Seele, das letzte Puzzleteil im Puzzle des Lebens und der Weg nach Hause.“
Was bedeutet es nun ausführlicher bzw. wie sieht meine Vorstellung aus, BDSM zu leben?
BDSM hat in mir Türen geöffnet, die ich früher nicht für möglich gehalten hätte, dass es sie überhaupt gibt. Mit BDSM habe ich viel über mich und über andere gelernt, mit mir Unbekanntem umzugehen und Dinge auch von einer anderen Seite zu betrachten.
BDSM ist eine ganz besondere Art von Beziehung zwischen zwei Menschen; es braucht ein großes Vertrauen sich dem Partner hinzugeben und sich ihm anzuvertrauen. BDSM muss nicht nur aus purem Quälen, Schlagen, Kneifen, Beißen etc. bestehen, aus Knebeln, Fesselungen und Käfigen.
Der Idealfall einer BDSM-Beziehung ist für mich eine harmonische, vertrauensvolle Partnerschaft in der sich beide einig sind, inwieweit die Neigungen miteinander kompatibel sind und was, aus welchem Grund auch immer, eben geht und was nicht.
Ich erkenne meinen Partner auch als meinen „Herrn“ an, der mich führt, lenkt und leitet, der mir Schutz gibt und der dominante Part in diesem Teil der Beziehung ist. Der klare Verstand und die Selbstbestimmung bleiben mir erhalten, ich gebe meine Persönlichkeit nicht auf. Liebe und Vertrauen, Hingabe und Unterwerfung, Gehorsam und Respekt lassen sich durchaus damit in Einklang bringen.
Die Hingabe an meinen Herrn ist mir ein tiefes Bedürfnis und wird mit Zuneigung und Nähe von ihm „belohnt“. Es ist ein ständiges Miteinander. Im Herzen und im Verständnis des BDSM bin ich die seine, gehöre aber letztlich immer noch mir….
Liebe und Hingabe, Unterwerfung und Macht – Worte die so gewaltig klingen. Es sind jedoch immer die kleinen Dinge, die große Reaktionen ausmachen. Seine Macht spüren, sich in der Position der sich freiwillig Unterworfenen wiederfinden und geborgen fühlen, sich ihm hingeben und seine Macht spüren wollen, wohl wissend, dass er keine Tabus überschreitet oder mir seelisch oder körperlich ernsthaft schaden wird – das Wissen geliebt und geschätzt, geachtet und geschützt zu werden – was kann es schöneres geben?
Es mag sich nach Dauerkuscheln anhören, aber wir sind immer noch beim BDSM. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten dies auszuleben, jeder setzt andere Prioritäten, hat andere Favoriten, andere Schwerpunkte. Menschen, die virtuos mit der Peitsche oder anderen Schlaginstrumenten umgehen können, so daß sie streicheln und oder hart strafen, treffen Menschen, die eher ihren Schwerpunkt im D/s haben (Dominanz und Submission). Viele Frauen lieben es vor ihrem Herrn, vielleicht sogar an der Kette zu knien; Männer führen ihre Partnerin/sub/Sklavin an der Kette vor, präsentieren sie, weil sie stolz darauf sind und gerne zeigen, was ihnen gehört, Bondage-Künstler die gerne ihr Wissen an andere weitergeben, Peitschenbauer, die für ihre Partnerin immer das passende bauen können, sich auf die Materialien verstehen, ihre Verarbeitung und Wirkungsweise… BDSM ist bunt und vielfältig. Es gibt nichts was es nicht gibt. Jeder lebt letztlich sein eigenes Leben, seine „dunkle“ Seite ganz auf seine Art und Weise aus. Alles kann, nichts muss.
BDSM muss nicht „böse“ und „mystisch“ sein – es kann auch wundervolle Erfahrungen mit dem Partner, mit seinem Körper und mit dem eigenen Körper bieten. Leider wird in der öffentlichen Allgemeinheit aber immer wieder das „grausame“, der Sadomasochismus bekannt, durch Leute, die es eben nicht verstehen, BDSM auch als etwas Schönes darzustellen…
Im BDSM gibt es sicherlich etliche Spinner, es wäre fatal dies zu leugnen, aber die gibt es überall. Dem stelle ich entgegen, dass es sicher mehr von der Sorte gibt, die mit Bedacht und Verantwortung das leben, was sie sind. BDSM ist keine Krankheit und keine Kompensation von psychischen Störungen. BDSM ist etwas Schönes.
© Seele 2018