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- Meine Reise in die Erotik

Vorurteile im BDSM-Kontext

Vorurteile im BDSM-Kontext sind extremer ausgeprägt als im „normalen“ Leben. Ob es um Menschen mit einem bestimmten Geschlecht, Herkunft, Beruf oder Sexualität geht: Wir alle haben irgendwelche Vorurteile – wenn nicht ausgeprägt, dann ganz subtil. Kennst du es etwa nicht, wenn du einen Menschen triffst und dir binnen Sekunden ein Bild von ihm machst? Oft weißt du gar nicht genau, was den ersten guten oder schlechten Eindruck beeinflusst hat – aber du weißt: Du magst diesen Menschen oder du magst ihn nicht. Vorurteile gibt es in allen Bereichen die nicht der Masse entsprechen. Das beginnt schon bei ganz anderen Themen wie z.B. Musik. – Ich stehe auf Jazz. Das kann ja keiner hören. Da bekomme ich Ohrenbluten etc. – und geht weiter bei allem was etwas anders ist all das „Normale“.

 

Vorurteile und Klischees entstehen sehr schnell und gerade die etwas ungewöhnlichen Bestandteile des menschlichen Sexuallebens sind doch oft mit solchen behaftet. Wenn es also um das große Tabu-Thema Sex geht wird alles noch viel schlimmer/schwieriger. Obwohl wir täglich von den Medien damit bombardiert werden, wagt sich kaum einer ernsthaft darüber zu reden. Man macht Witze über den Sex und lästert darüber. Wie soll man dann in der Lage sein zu verstehen aus welchen Gründen jemand andere Vorlieben hat, als wie das, was man als „normalen“ Sex versteht? Ich finde es völlig ok, sich Meinungen zu bilden. Ich selbst tue das jeden Tag, zu sehr vielen Dingen. Nur ist es vielen Menschen leider oft zu mühsam, das anhand von wertneutralen Informationen zu tun. Stattdessen applaudieren sie, wenn jemand ein paar bekannte und für möglichst viele Menschen nachvollziehbare Klischees aneinanderreiht.

 

Wie schon erwähnt haben Vorurteile immer mit Unwissenheit zu tun. Nur ist es im Bereich BDSM noch schwieriger das Wissen zu vermitteln. Wie viele Situationen gibt es, bei denen man ungezwungen und doch ernsthaft über Sex reden kann. Das können auch viele verheiratete Paare nicht! Darüber redet man nicht! So ist für viele BDSM immer noch ein rotes Tuch. Eine perverse, krankhafte Spielart, bei der es darum geht, dass einer den anderen grün und blau schlägt. Tatsächlich herrscht noch viel Unverständnis und Unwissen darüber, was die bizarre Form der Erotik BDSM ausmacht. BDSM – Unter diesem Sammelbegriff vereinen sich verschiedene Spielarten von Sex, die alle nur eine Sache gemeinsam haben: sie gehen über das hinaus, was im Sprachgebrauch als „normaler“ Sex bezeichnet wird. Wobei, was bitteschön ist „normaler“ Sex, wer definiert das und wo zieht man die Grenze zwischen „noch normal“ und „schon BDSM“? Allein darüber redet man sich in Internetforen und überall sonst die Köpfe heiß. Ich jedenfalls beobachte, dass die Grenzen von „noch normal“ und „schon speziell“ immer weniger klar gezogen werden können. Alles fließt mehr und mehr ineinander. Weil Menschen aufgeschlossener und neugieriger geworden sind. Was ich persönlich natürlich begrüße.

 

Allerdings: ich beobachte und erfahre auch, dass die Menschen nicht aufgeschlossen und nicht neugierig genug sind. Wer sich mit BDSM lange genug beschäftigt, der bekommt irgendwann eine Art Gespür gegenüber falschen Menschen. Mit „falschen Menschen“ meine ich in diesem Fall Menschen, die reflexhaft die gesamte Kette an Vorurteilen abspulen, sobald man sich dem Thema in einem Gespräch auch nur ansatzweise nähert. Doch Vorurteile baut man nicht ab, indem man jetzt konkret darüber schweigt. Vorurteile entstehen durch Informationsmangel. Es ist ein wenig wie mit der Westentaschenweisheit, dass Leute, die nicht wählen gehen, sich auch nicht über die Zustände beklagen sollten: Ich kann nicht über etwas schweigen und erwarten, dass sich Vorurteile und falsche Meinungen trotzdem wie durch ein Wunder in Luft auflösen

 

Leider geht mit dem Unwissen von vielen oftmals das Öffnen für Missbrauch einher, das der BDSM-Szene nicht guttut. Zeit mit Vorurteilen, Unwissenheit und Spekulationen aufzuräumen oder findet Ihr nicht auch? Deshalb benenne ich ein paar der gängigsten Vorurteile und meine Einschätzung dazu:

 

Alle BDSMler genießen Schmerzen?

 

Ganz und gar nicht. Die reine Form des Masochisten findet man eher selten; viele BDSMler genießen viel eher das Spiel von Macht und Unterwerfung. Und auch diejenigen, die ein Biss in die Brustwarzen oder forschere Klapse auf den Po im Spiel sehr erregend finden, haben deshalb noch lange keinen Höhepunkt, wenn sie auf dem Zahnarztstuhl sitzen. Auch Umfragen weisen darauf hin, dass in der BDSM-Szene der eigentliche Kick entsteht eher aus dem Gefühl von Ohnmacht beziehungsweise Macht denn durch Schmerzlust.

 

Es gibt weniger BDSMlerinnen als BDSMler?

 

Es ist eine weitverbreitete Mär, dass es vor allem Männer sind, die sadomasochistische Neigungen haben. Tatsächlich beträgt bei SM-Partys und ähnlichen Veranstaltungen der Frauenanteil etwa ein Drittel bis die Hälfte, und was sich hinter verschlossenen Türen zu Hause abspielt, ist ohnehin unbekannt. Gerade „Shades of Grey“ hat bei vielen Frauen die Neugier und Abenteuerlust geweckt. Die guten Verkaufszahlen für Einsteiger-SM-Sets in Erotikshops sprechen für sich.

 

Sadisten sind niveaulose Prolls?

 

Ganz und gar nicht. Schon historisch betrachtet war Sadomasochismus ein Vergnügen vor allem für höhere Gesellschaftsschichten. Das zeigt auch das Beispiel des im 18. Jahrhundert lebenden adeligen Franzosen Marquis de Sade, aus dessen Namen der Begriff „Sadismus“ abgeleitet wurde. Auch heute stammt die Mehrzahl der Mitglieder von SM-Clubs der oberen Mittelschicht, ist gebildet und kultiviert.

 

Männer sind meistens dominant und Frauen eher devot

 

Weit gefehlt. Generell ist, unabhängig vom Geschlecht, der Anteil derer, die im BDSM den unterwürfigen Part bevorzugen, deutlich größer. Erklären lässt sich dies zumindest zum Teil mit der Tatsache, dass Männer und Frauen heute gleichermaßen unter Stress stehen. Ob durch den Beruf oder familiäre Pflichten.  Für sie liegt der Reiz darin im erotischen Spiel die Verantwortung mal abzugeben. Gerade der dominante Part erfordert hingegen extrem viel Verantwortung, Einfühlungsvermögen, Fürsorge und Aufmerksamkeit. Besonders, wenn der Partner durch Fesselungen wehrlos ist. Die meisten Einsteiger beginnen deshalb auch mit der devoten Rolle, wechseln dann vielleicht aus Neigung ins dominante Lager und bleiben dabei. Oder sie nehmen als „Switcher“ je nach Lust und Laune wechselnd beide Rollen ein.

 

BDSMler verlieren irgendwann die Kontrolle und werden immer extremer

 

Auch BDSMler suchen nach erotischer Abwechslung. Dazu gehört es für viele, immer wieder mal neue bizarre Spiele auszuprobieren und Grenzen auszutesten. Dennoch ist das Streben nach extremen Erfahrungen nicht der Selbstzweck von BDSM. Es geht zum Beispiel nicht darum, immer härter und häufiger zuzuschlagen, sondern die Spielarten zu variieren und nach neuen, anderen, aber nicht unbedingt extremeren Lustkicks zu suchen.

 

BDSM ist gewalttätig

 

BDSM hat mit Gewalt ungefähr so viel zu tun wie Obstler mit Apfelsaft. Im BDSM gilt immer ganz streng das Einvernehmlichkeitsgebot – alles geschieht, weil beide es so wollen. Und wenn es einem Part im Spiel zu viel wird, gibt es normalerweise ein Signalwort, das sogenannte Safeword, oder eine unmissverständliche Geste, die „Sofort stoppen“ bedeutet. All das ist das Gegenteil von realer Gewalttätigkeit.

 

BDSM hat immer krankhafte Ursachen

 

Warum manche Menschen sadomasochistische Neigungen haben, ist noch nicht wirklich erforscht. Viele entwickeln ihre Vorliebe bereits in der Pubertät, andere finden aber auch erst als Erwachsene dorthin. Einige leben BDSM dann ihr ganzes Leben lang, für andere ist es eine Episode. Menschen, die verschiedene Spielarten des BDSM ausüben, haben auch keine typischen charakterlichen Gemeinsamkeiten. Und ganz sicher sind es keine verkappten Gewalttäter und kriminellen Sadisten, die eine krankhafte Lust empfinden, wenn sie andere quälen. In diesem Fall ohne deren Einverständnis und ohne jedes Verantwortungsgefühl und Fürsorge.

 

BDSM ist Frauenverachtend, ich bin also rückschrittlich und unemanzipiert, weil ich beim Sex gern eine devote Position einnehme, Spucke quasi allen ins Gesicht, die stellvertretend für mich seit Jahrzehnten für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen.

 

Nein. Das tue ich nicht. Das Gegenteil ist der Fall: weil ich eine emanzipierte Frau bin, habe ich Sex, so wie ich ihn mag. Weil es die Emanzipationsbewegung gab, kann und darf ich heute Sex haben, wie er mir gefällt. Ich bin eine freie Frau, die alle Möglichkeiten hat und nutzt, ihre eigene Lust zu definieren und auszuleben und das bin ich, weil es die Emanzipation der Frau gibt. Sie gibt mir die Möglichkeit, heute so zu sein, wie ich es möchte. Eine Beziehung im Rahmen von BDSM hat nichts damit zu tun, ein passives Opfer von Männergewalt zu sein. Nichts könnte unrichtiger sein. Zwei Menschen, die sich im Rahmen von BDSM sexuell begegnen, tun das im gegenseitigen Einverständnis. Niemand wird gezwungen, niemand unterdrückt. Zwei freie Menschen begegnen einander, stellen fest, dass ihre Neigungen sich ergänzen und verschaffen einander Lust.

 

Als BDSMler ist man zum Singlesein verdammt

 

Mitnichten. Wer sich mit der BDSM-Szene ein wenig beschäftigt, wird feststellen, dass es hier eine große Community an Gleichgesinnten gibt. Sei es online, in einschlägigen Portalen und Foren, oder auch in speziellen Clubs. Natürlich ist es nicht ganz einfach, im Alltag einen entsprechenden Partner zu finden. Zumal man nicht immer schon beim ersten Date diese etwas speziellere Neigung ansprechen mag. Andererseits übt BDSM durchaus auch auf Nichtwissende eine gewisse Faszination aus. Nicht wenige, die davon vorher nichts wussten, haben sich auf das Experiment eingelassen und Gefallen daran gefunden. Fällt man nicht gleich mit der Tür ins Haus, sondern tastet sich langsam an das Thema heran, ist sicherlich auch ein vollkommen unerfahrener Partner zu einem vorsichtigen Versuch bereit.

 

BDSM und guter Sex passen nicht zusammen

 

Das sehen Praktizierende aber ganz anders! Im BDSM geht es vielen darum, das sexuelle Erlebnis zu steigern, indem weitere, emotional und körperlich sehr intensiv empfundene Komponenten hinzukommen. Sexuelle Stimulation zu erfahren und sich dabei nicht wehren zu können, gibt vielen einen enormen Kick, deshalb ist Bondage auch so beliebt. Auch die Verbindung von Schmerz mit extremer Lust erleben viele als Nonplusultra – der Schmerz dient dabei als Verstärker und beschert oft ungeahnt intensive Höhepunkte.

 

BDSM ist nur etwas für sexuell Frustrierte

 

Auch dieser negative Touch hängt BDSM noch immer an. Das Vorurteil: Wer auf solche perversen Spielchen steht, hat wahrscheinlich alle „normalen“ Sexpraktiken durch und ist einfach nur frustriert. Die Praxis zeigt jedoch, dass viele BDSMler durchaus auch ohne können und neben BDSM-Spielen auch andere Sexpraktiken bis hin zum zärtlichen Kuschelsex schätzen. BDSM ist für diese Menschen einfach eine Erweiterung ihres erotischen Spektrums.

 

Devote Frauen erfüllen jedem Mann alle Wünsche, der mit dem „Dom-Koffer“ wedelt

 

Mitnichten … eine devote Frau sucht sich ihren Dom aus und nur dieser hat das Recht sie zu dominieren (Ausnahme Berechtigung zum Verleihen), Dom kann dann entscheiden ob er die Wahl annimmt. Devote Frauen stecken das Spielfeld ab, indem sich Dom dann frei bewegen und entscheiden kann, je klarer sie kommuniziert, wo harte und weiche Limitis also Tabus und Grenzen liegen, desto klarer ist das Feld abgesteckt, indem Dom frei handeln darf. Die devote Frau kann diese Erlaubnis jederzeit eingrenzen und oder ganz aufheben und sollte das auch tun. NEIN heisst NEIN insbesondere auch im BDSM-Kontext.

Wenn Euch nun die ganzen Vorurteile eher neugierig denn schockiert haben und ihr mehr über BDSM wissen wollt, informiert Euch gründlich. So könnt Ihr Foren besuchen, Euch mit Gleichgesinnten auszutauschen, Stammtische besuchen oder Euch in einem Club umsehen. Das alles ist möglich, solange Ihr Euch vor dem Ausleben gründlich informiert, denn beim Spiel mit Peitsche, Rohrstock oder auch Fesseln – ganz zu schweigen von Atemkontrollspielen – ist ein gutes Hintergrundwissen erforderlich, um den Partner nicht aus Versehen in Gefahr zu bringen. Immer dran denken: Im BDSM spielen Fürsorge und Verantwortung für den Partner eine unverzichtbare Rolle!

BDSM, Sadomasochismus, Fesselspiele, Macht und Unterwerfung. Die Palette an bizarren Sexualpraktiken ist groß, und wer neue Erfahrungen machen möchte, wird hier sicher auch die eine oder andere Anregung finden. In diesem Sinne wünsche ich Euch in der wunderbaren BDSM Welt Euren ganz eigenen Platz zum Ausleben.

 

Eure Seele

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