Und plötzlich ist man ein 50jähriges „Pubbertier“
(…die Geschichte wie ich BDSM auf Rezept bekam)
Die eigenen Kinder denken, dass man plötzlich irgendwie anders ist und glauben an Drogen oder Alkohol. Die Schrecken der Wechseljahre…kennt man nicht mehr oder sie sind so tief verbannt, dass sie quasi nicht mehr vorhanden sind.
Und plötzlich ist man an dem Punkt, wo man sich fragt, wie war das eigentlich in der Pubertät bei mir? Tja ich würde irgendwie sagen ganz genauso wie jetzt, nur, dass man sich eben nicht so wohl gefühlt hat in seiner Haut. Meine Mutter meinte mal zu mir, Du in der Pubertät, das war für alle außen rum ein Drahtseilakt zwischen sauer sein und einen Kaktus umarmen zu wollen.
Gerade fahren Endorphine, Adrenalin und Co Achterbahn und man fühlt sich sowas von großartig, wie im Rausch. Man lernt sich anatomisch voll und ganz neu kennen und stellt Erstaunliches fest. Ich kann plötzlich gar nicht so viel trinken, wie ich auslaufe und überlege mir allen Ernstes, eine Dauerhafte Pipeline vom Wasserhahn in meinen Körper zu legen. Mein Blutdruck stabilisiert sich auch ganz ohne Kaffee (!!!) und ich werde zur Schlafmütze, wo ich vorher eher eine Nachteule war.
Ganz tauffrisch ist Frau mit 50 eben nicht mehr und das dürfte von der Logik her auch nicht wiederkommen, dachte ich jedenfalls. Denken sollte ich meinem Herrn oder den Pferden überlassen, die können das besser als ich. Mein Herr, weil er einfach schlauer ist und die Pferde, weil sie den größeren Kopf haben.
Ich hatte mich abgefunden mit knackenden Knochen, Entzündungen und sonstigen Gebrechen. Und dann kam der Tag als mal wieder routinemäßig alle Blutwerte überprüft werden sollten. Ich also zu meinem Hausarzt (der von meinem BDSM weiß, wie ich ja schon an andrer Stelle sagte) hin zum Besprechen der Laborergebnisse.
Er schaut so einmal an mir hoch und runter und meint dann mit einem Zwinkern in den Augen: „Egal was Du die letzten zwei Wochen gemacht hast, hör bloß nicht auf damit. Deine Entzündungswerte sind um 60% gefallen und fast im Normbereich und auch Deine Leberwerte haben sich normalisiert.“
Ups … hatte ich jetzt richtig gehört? Skeptisch schaute ich ihn an und er wiederholte es ganz langsam noch einmal für mich zum Mitschreiben: „Egal was Du gemacht hast die letzten zwei Wochen, mach weiter damit!“ Das konnte doch nicht sein …oder? Er hatte mir nicht wirklich gerade eine ärztliche Anordnung erteilt, oder? Also ein Rezept? … So, nochmal für mich Langsamdenkerin: „ich sollte weiter BDSM ausleben!“
Soweit schaltete mein Hirnkasten wieder. Wenn ich also weiter schlußfolgerte, also alles noch mal durch meine Synapsen scheuchte, bekam ich gerade BDSM verordnet…
Irgendwie sagt man ja immer: Eine sub sollte aufpassen, was sie sich wünscht; es könnte in Erfüllung gehen… Na, wenn ein Wunsch auf Rezept in Erfüllung geht, was will Frau dann mehr?
© Seele 2018