Schonungsloser Rückblick
Gesundheitlich mal wieder aufs Abstellgleis gesetzt, habe ich endlich Zeit, mich weiter dem Zusammenzug meiner Homepages und Blogs zu widmen. Was kann mit auf die neue Page, was muss mit, was muss anders bewertet bzw. neu geschrieben werden. Es war an der Zeit, die diversen Blogartikel, die in meinen virtuellen Schubladen vor sich hinschlummerten, aus der Versenkung zu holen. Ein gnadenloser Rückblick war fällig.
Erschreckend zu erkennen, wie naiv – ja schon dumm ich mich in Situationen habe bringen lassen, vor lauter Sehnsucht endlich alle meine Einzelteile zusammenfügen zu wollen. Die Frage aller Fragen lautete: Warum in Drei Herrgotts Namen habe ich mich so verhalten? Ich würde sagen es lag an den Worten oder besser daran, wie geschickt mein Gegenüber sie verpacken konnte. Die Macht der Worte, die zumindest für mich eine entscheidende Rolle in meinem Leben und damit auch im BDSM spielt. Die Macht, die ich ihnen gab, nutzen sie gnadenlos aus, bis ich wach wurde und die Reißleine zog.
Ich bin devot und liebe die Unterwerfung. Dies tue ich freiwillig und ohne Zwang, jedoch nicht grundlos. Um es dazu kommen zu lassen, benötige ich einen Dom, der in der Lage ist, meine Lust anzuheizen, zu leiten, zu steuern und aufrechtzuerhalten. Es ist die emotionale Stimulierung, die mit Vergnügen und Wohlwollen auf mich einwirkt. Ein schöner sprachlicher Ausdruck, der eine Sanftheit aber doch eine Sicherheit beinhaltet, die mich zu der Überzeugung gelangen lässt, dass genau er derjenige ist, in dessen Hände ich mich begeben möchte.
Und da sind wir an dem Knackpunkt, nur zu leicht ließ ich mich durch meine Scheuklappen „belabern“ mein Bauchgefühl außen vor zu halten, bis es teilweise zu spät war. Einige Frauen sind besonders anfällig für solche Wortakrobaten, sie sind leichtgläubig, etliche fühlen sich regelrecht davon angezogen, so auch ich. Eine besondere Stärke von diesen Männern ist ihre Redegewandtheit! Also wenden sie das an, was sie am besten können: Reden. In der heutigen Zeit mit all den Kommunikationsarten sind ihre Möglichkeiten grenzenlos.
Die Erkenntnis, dass die „Doms“, auf die ich mehr oder weniger hereinfiel, nur so agieren konnten, weil ich es zuließ, kam erst spät, manchmal zu spät. Meine Gefühlswelt litt Höllenqualen, aber den eingeschlagenen Weg verlassen konnte ich nicht, im Gegenteil der Zug fuhr immer schneller auf einem Gleis, das für mich in die falsche Richtung führte.
Dank Jessy, die für mich die Bremse zog, indem sie mich wachrüttelte, war ich in der Lage zu wenden. Dass ich heute genau das leben kann, was ich mir für mich gewünscht habe, verdanke ich nicht zuletzt ihr, da sie mir half, meine Scheuklappen einzustampfen und mich endlich mit alle meinen Facetten als ein Ganzes zu fühlen.
© Seele 2022