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- Meine Reise in die Erotik

Fifty Shades und die Wirklichkeit – Halbwahrheiten eines privaten Fernsehsenders

Fifty Shades und die Wirklichkeit - Halbwahrheiten eines privaten Fernsehsenders

Manchmal stelle ich mir sinnige und unsinnige Fragen, so auch jetzt wieder, nachdem der Privatsender zu bester Familiensendezeit „Fifty Shades of Grey“ im Programm hatte. Erste Frage war dann gleich: „Wozu muss das um 20.15 Uhr im Fernsehen laufen?“. Die zweite folgte auf dem Fuß: „Wozu gibt es FSK und Co?“. Während in „Socialmedia“ alles nur erdenklich Mögliche getan wird, um Sex und Gewalt aus dem Mainstream zu verbannen, wobei auch hierbei nicht unbedingt das Ziel die Mittel heiligt (alberne Comicplatzhalter zum Verdecken von bestimmten Körperstellen), wird durch den Fifty-Shades-Hype sehr viel zwielichtiges Gesindel in die BDSM-Szene gespült, das mit den eigentlichen Werten von BDSM nicht das Geringste anfangen will, noch anzufangen weiß.

 

Ich spreche der Autorin keineswegs ab, ihre Phantasie auf diesem Wege zu veröffentlichen, das bei Weitem nicht und ich gönne ihr von ganzem Herzen ihren Erfolg. Aber aus ihrem Buch einen allgemeingültigen Kompass für BDSM- Fragen machen zu wollen, halte ich für absoluten Quatsch und im Gegenteil für höchstgradig gefährlich. OK, es hat BDSM aus der Schmuddelecke in die Mitte der Gesellschaft geholt, das ist aber meiner Meinung nach das einzig Positive, was zustande gekommen ist.

 

Der Gedanke, dass im BDSM nur die Ausübung körperlicher und geistiger Gewalt liegt, ist einer dieser Trugschlüsse. Im BDSM wird sehr viel Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Ehrlichkeit benötigt. BDSM ist also mitnichten Gewalt im Sinne von Gewalt. Die Gefahr, dass durch „Fifty Shades“ Missbrauch gesellschaftsfähig gemacht wird, ist überaus groß. Dass sich darum die echte BDSM-Szene vehement, gegen das in Buch und Film gezeigte Klischee wehrt, kann ich für mich durchaus nachvollziehen und auch bei mir kommt jedes einzelne Mal die Wut hoch, wenn ich mit Buch und Film veröffentlichten Halbwahrheiten konfrontiert werde.

 

Zurück zum Fernsehfamilienabend …  Man kann durchaus geteilter Meinung sein, was gezeigt und was nicht gezeigt werden muss, „Sex sells“ … und irgendwoher müssen ja die Einschaltquoten kommen. Das sei dem Privatsender durchaus gegönnt und gerade in „Corona“-Zeiten ist virtuelle Unterhaltung überaus wichtig. Aber … die anschließend zum Film gezeigte Reportage als Wirklichkeit und wichtig zur Aufklärung zu deklarieren, war die Krönung und absoluter Bullshit in Dosen…. So viel Müll, wie dort verzapft worden ist, macht mich einfach nur fassungslos, fassungslos, weil es Menschen gibt, die solchen Unsinn glauben.

 

Wenn man schon berichtet, wie und was in der BDSM-Welt so alles geschieht, dann sollten die sogenannten Fakten auch richtig wiedergegeben werden, gerade im Sinne der Aufklärung. Eine Exdomina, die sich schon bei ihrem ersten Auftreten vor der Kamera mit falschen Grundkenntnissen outet, auf ein paar „Frischlinge“ loszulassen, halte ich für extrem gefährlich. Einen einfachen Flogger als Peitsche zu bezeichnen und damit die Wirkung einer Peitsche zu verharmlosen, sei hier nur als ein Beispiel angeführt. Durchaus als harmlos und amüsant empfand ich nur, dass sie einem in die dominante Rolle geschlüpften Mann ein Halsband verpasst hatte.

 

Den Machern der Reportage empfehle ich für das nächste Mal vorab ein Interview mit „Gentledom“ oder anderen bekannten BDSMlern, um die Verbreitung solchen Mülls für die Zukunft zu vermeiden. Und allen Neugierigen empfehle ich sich ebenfalls mit bekannten BDSMlern auseinander zu setzen, bevor sie solchen Unsinn aus Reportagen Glauben schenken und damit eine wunderbare Welt falsch kennenlernen.

 

 

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