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- Meine Reise in die Erotik

„Devotes Alphaweibchen“ – zu stark um zu dienen?

„Devotes Alphaweibchen“ - zu stark um zu dienen?

Ist es denn wirklich ein Widerspruch? Wenn ich dieser Frage zu Grunde lege, dass es nicht um Selbstbewusstsein an sich geht, sondern eher um die sich selbst auferlegte Ellenbogenmentalität, um den wohl gescheiterten Ausgleichsversuch zwischen zwei scheinbar widersprüchlichen Seiten, dann sollte ich die Frage mit einem klaren NEIN beantworten.

 

Jetzt kommt das Aber: Ich wage trotzdem zu behaupten, dass es so gut wie in jeder Frau, zwei widersprüchliche Seiten gibt – Eine Doppelnatur. Damit ist nicht die Kluft zwischen einer devoten Seite und allem anderen gemeint. Ist dieser Aspekt zusätzlich vorhanden, macht es den Weg nur etwas steiniger.

 

Nein, ich denke jede Frau trägt eine Doppelnatur in sich. Einmal etwas Sanftes, etwas aus dem sie Dinge erwachsen lassen will, und einmal etwas Kraftvolles, Wildes, vielleicht gar Animalisches, das hin und wieder hervorlugt, manches Mal vielleicht mit einer recht zerstörerischen Kraft, die aber auch Raum für Neues bietet.

 

Zwei locker miteinander verknüpfte Zitate aus dem Buch „Die Wolfsfrau“ (denkbar schlechte Übersetzung aus dem Original) von Clarissa Pinkola Estés machen deutlich, was ich genau damit meine:

 

„Freilebende Wölfe und ungekünstelte Frauen haben vieles gemeinsam: die Akkuratheit ihres instinktiven Feingefühls, eine Vorliebe für alles Spielerische und eine schier unverrückbare Loyalität. Beide Gattungen sind von Natur aus beziehungsorientiert, sie schnüffeln gern neugierig herum, sie sind wissbegierig, spitzfindig, zäh, ausdauernd und seelenvoll.“

 

„Gesunde Frauen sind in vieler Hinsicht wie Wölfe: robust, vital, großmütig, territorial, einfallsreich, treu und verspielt. Nur durch die Abspaltung von ihrer Wildnatur werden sie mickrige, hilflose, schwächliche Püppchen.“

 

Und wir wollen wohl alle, dass auch diese andere Seite nicht nur anerkannt wird oder eben der Versuch Alphaweibchen zu spielen (das wäre wohl eine gescheiterte Ellenbogenmentalität), sondern einfach erkannt und respektiert wird.

 

Eine Doppelnatur also …. und ein Teil mag ein wildes Tier sein. Wie geht man also damit um? Ist es also unvereinbar, recht forsch im Alltag zu sein, und dann in anderen Momenten nichts sehnlicher zu wollen, zu brauchen als jemand dem man folgen kann/“muss“?

 

Nein, wenn man die verschiedenen Seiten nicht als Widerspruch sieht, wenn man aufhören kann, den Leuten mit ihren Schubladen immer wieder „einen Spiegel vor ihr Geschrei“ halten zu wollen, dann sicher nicht.

 

Ob Dom/Top das auch so sieht, sei dahingestellt. Mein“ Exdom“ hat jedenfalls sehr verdutzt aus der Wäsche geschaut als ich ihm sagte: „Ich beende das jetzt und gehe.“ (Natürlich habe ich das anders und mit vieeeeeeeel mehr Worten gesagt und die Situation lief alles andre als friedlich ab)

 

Dom wollte das nicht verstehen, und nicht akzeptieren, und hat mir vorgeworfen, dass ich das nicht machen kann, nur weil ich mich nicht fügen WILL.  Eigentlich hat er mich wohl ein Alphaweibchen „geschimpft“ nein –  noch schlimmer „Krawallsub“.

 

Daher halte ich mir jetzt wohl selber einen Spiegel vor mein Geschrei…. Nein, ich überdenke mein Geschrei, das sich als Zerrspiegelbild auftat. So herum ist es wohl richtiger.

 

Nun, ich hatte selbstverständlich meine Gründe für diese ganz und gar nicht leichte Entscheidung. Denn dieser „Wolfanteil“, der mit der Spürnase, hat wohl schon lange einen Hauch Blaubart bei ihm gewittert.

 

Blieb immer noch als Ergebnis die Frage, ob ich etwa doch eine Krawallsub bin: Ich denke nein. Zu den „Wölfen“ zähle ich aber auch nicht, mein Spürsinn ist ein wenig gestört… es ist eine verdammte Zwickmühle, wenn man feststellt, dass man in der eigenen Naivität einen Rattenfänger, Blaubart, Frischfleichjäger gefolgt ist und erst einmal alles glauben musste/mochte.

 

Ich wollte aufhören, hatte den Glauben verloren, dass das was ich für mich wollte, nämlich im Alltag meine starke Seite, meine Führungsrolle in der Familie, meine Selbständigkeit und im BDSM-Kontext mich führen lassen, Verantwortung abgeben, dienen, schwach sein dürfen ohne es wirklich zu sein, jemals würde ausfüllen können.

 

Gott sei Dank haben das Jessy und Elke nicht zugelassen.

 

Wie geht es jetzt weiter? Darf ich so bleiben wie ich bin? War das alles richtig, was ich mir für mein BDSM gewünscht habe? Was war nur los mit mir? Dachte ich nur so verkehrt, war ich denn wirklich eine so schlechte sub, nur, weil ich kein Schoßhund, keine Gummipuppe sein wollte, die nicht mehr eigenständig lebensfähig ist? War ich überhaupt eine sub? Was war ich eigentlich?

 

So viele Fragen und so wenig Antworten.

 

Und immer wieder war da der Ehrentitel “ Krawallsub.“ Irgendwie war ich am Ende mehr als stolz drauf so genannt zu werden, weil ich mich nicht verbiegen ließ, weil ich zu stark war, um gebrochen zu werden. Weil ich Eigene Entscheidungen traf und vor allem, weil ich Denken durfte, was und wie ich eben dachte.

 

Und doch gab es auch die Sehnsucht, die Sehnsucht danach mich fallen zu lassen, nicht mehr stark sein zu müssen, meine Hingabe zeigen zu dürfen und ja – auch die Sehnsucht danach zu dienen.

 

Alle Versuche den Dom zu finden, der mich verstand, der mir nicht zeigen wollte, dass meine Stärke aufzustehen, wenn mich was umhaut, unerwünscht war, einen, der meine Selbstständigkeit zu schätzen weiß, scheiterten mehr oder weniger auf unschöne Art und Weise und jedes Mal zog ich die Reißleine, wartete nicht bis sich ein Dom entschieden hatte, mich zu verstoßen, sondern, entschied mich selbst zu gehen.

 

Und jedes Mal fiel das Aufstehen und Neuanfangen schwerer, es waren zu viel zu schnell Emotionen im Spiel, das Scheitern riss tiefe Wunden, das Aufgeben war der vermeintlich richtige Weg, doch ich ging ihn nicht. Und immer wieder richteten mich Jessy und Elke wieder auf, wenn ich kurz davor war die Flinte ins Korn zu werfen und ich kann ihnen dafür nicht genug danken.

 

Ich entschied mich zur Pause …erstmal wieder zu mir selbst finden, in mich reinhorchen und vor allem nichts mehr überstürzen. Ich tauschte mich aus, reflektierte und dann kam aus einer Kleinigkeit heraus ein Gespräch zu Stande, das alles von Grund auf änderte. Ein kleiner Test und ein paar Fragen, die mir alle meine Fragen beantwortete und mir den Top an die Seite stellte, der mich so versteht, wie ich es mir immer gewünscht habe.

 

Der mir verständlich gemacht hat, dass und welches Potential in mir schlummert und dass nur der für mich richtige Top den Schlüssel besitzt, damit ich mich voll und ganz hingeben kann. Beim falschen Dom passt der Schlüssel zwar auch ins Schloß, aber er kann die Tür nicht aufschließen. Er müsste mich brechen um nur Ansatzweise einen Bruchteil dessen zu erreichen, was ich in der Lage wäre zu leisten. Verständlich dass ich zu Recht dagegen rebelliert habe.

 

Wo die wunderbare Reise, die ich gerade begonnen habe, hinführt, kann ich noch nicht sagen, aber ich weiss, dass ich einen mehr als verantwortungsbewussten Top an meiner Seite habe, der mich sicher führen wird und auf mich achtet. Danke dafür.

 

© Seele 2018

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