Black Moor Castle
Der Fluch von Black Moor Castle
Die Schergen König Georg III räumten in der Burg auf. Nichts sollte an Claudette und Georg erinnern. Das Personal wurde über die Zwangsverwaltung der Burg und der Besitztümer von Georg durch den Hof informiert und darüber, dass sie dem Verwalter jeglichen Gehorsam wie ihrem König schuldig seien.
Der Verwalter kam und übernahm Die Burg und das Dorf. Der Fluch traf ihn nicht, weil er ja nicht mit Georg verwand war. Georg starb ein paar Jahre nachdem er an den Hof zitiert worden war, seine Kinder blieben am Hof, eine Rückkehr war ihnen unter Todesstrafe verwehrt worden. Unbehelligt vom Fluch gründeten vier von ihnen ihrerseits Familien, zwei der Söhne Georgs gingen ins Kloster und weihten ihr Leben Gott.
Mit Graus dachten die Leute aus dem Dorf an den Fluch, den die beiden Frauen vor ein paar Tagen ausgerufen hatten. Er schien schon zu wirken, denn George war sang- und klanglos aus Devonshire verschwunden. Selbst wenn er hingerichtet worden wäre, laut Fluch durfte kein Nachkomme nach Black Moor Castle zurückkehren. Sonst sei er dazu verdammt, als Untoter durch die Welt zu wandeln. Der Fluch konnte nur gebrochen werden, wenn der Nachkomme, nicht Georg selber, geliebt wurde bedingungslos und über den Tod hinaus.
Die Jahre vergingen und die Ereignisse und die Familie gerieten in Devonshire fast in Vergessenheit. Black Moor Castle verfiel dank des Verwalters nicht, aber nie wieder blühte es so wie unter Malcom. Der Fluch allerdings sollte zur Legende werden und überall im Südlichen Königreich bekannt werden. Es dauerte fast ein ganzes Jahrhundert, bis sich ein Nachfahre Georgs wieder nach Black Moor Castle verlief.
Michael Haversite hatte geerbt, bei der Testamentseröffnung seines Onkels Henry Haversite, des einzigen Verwandten, den er seines Wissens nach besaß, wurde ihm eröffnet, dass er mit dem Tod des Onkels jetzt der Duke von Devonshire und der Herr von Black Moor Castle ist. Mit keinem Wort wurde der Fluch bzw. das königliche Gebot Black Moor Castle nicht auf zu suchen erwähnt. Das Verhängnis nahm seinen Lauf, als Michael in Devonshire auftauchte. Es sollte noch weitere 50 Jahre dauern bis der Fluch offensichtlich zu Tage trat und Michael in Devonshire holte, was ihm das Dorf schuldig war, schuldig war dafür, dass das Dorf von ihm und seinesgleichen verschont wurde – eine Jungfrau.
Die Frauen, die sich Michael holte tauchten nie wieder auf im Devonshire und so entstand durch die Gerüchte verstärkt, seine mystische Macht zu wachsen. Jeder im Süden Englands hatte Angst vor Lord Michael Haversite, Duke von Black Moor Castle und das kam seinen Plänen wunderbar entgegen.
Stille machte sich im Dorf breit. Sanna, eigentlich Susann, rollte die schon gesponnene Wolle auf die Spindel, ging dann auf Reginald zu, der wie erstarrt stehen geblieben war. Beide befanden sich am Rand des Marktplatzes vor dem Dorfkrug, bei dem Die Märkte und Sitzungen abgehalten wurden. „Was ist geschehen?“ Sie blickte in die selbe Richtung wie er – und erstarrte ebenfalls.
Der Mann, der soeben das Dorf betreten hatte, war völlig in weiß gekleidet. Seine schwarzen, langen Haare bildeten einen scharfen Kontrast dazu. Er strahlte Überlegenheit aus. Sie sank auf die Knie und bemerkte, dass auch alle anderen es taten. Als seine dunklen Augen sie streiften, blickte sie zu Boden, versuchte sich klein zu machen.
Sie wusste, wer er war. Es war zehn Jahre her, seit er das letzte Mal das Dorf betreten hatte, damals war sie noch ein Kind gewesen. Er jedoch schien in der Zeit keinen Tag älter geworden zu sein. Selbst wenn Jahrzehnte vergangen wären, sie hätte ihn immer noch erkannt. All die Geschichten, die über ihn erzählt wurden hatten sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Sei ein braves Kind, sonst kommt er dich holen. Eine Drohung, die wohl jedes Kind im Dorf gehört hatte. Nichts hatte sie damals mehr eingeschüchtert. Als sie älter geworden war, hatte sie sich nicht mehr davon beeindrucken lassen – sie war sogar mit ein paar anderen damals bis an den Waldrand geschlichen, von dem aus man das Burgtor sehen konnte. Es war geschlossen gewesen, und bis dorthin zu gehen hatte niemand gewagt.
Auch wenn das fahrende Volk, das durch das Dorf kam immer wieder davon erzählte, wie viel schlimmer andere Dörfer unter ihren Herren zu leiden hatten, war der Schatten, den seine Burg warf, erdrückend. Sie mussten zwar den Zehnt nicht zahlen, aber er war immer da, konnte immer in das Dorf kommen und fordern, was man viel lieber behalten würde. Sie dachte an ihre Freundinnen, fragte sich, welche davon sie bald nie wiedersehen würde und verfluchte ihn in Gedanken für seine Grausamkeit.
Er sprach kein Wort, ging durch die Menge der schweigenden, knienden Bauern. Dann blieb er direkt neben ihr stehen. Sie sah weiterhin zu Boden, hoffte, dass er weitergehen würde. Er konnte nicht sie wollen. Sie zuckte zusammen, als sie eine Berührung an ihrer Schulter fühlte. Obwohl er sie nur sanft angetippt hatte, hatte sie das Gefühl, er hätte sie geschlagen. Jetzt hielt er ihr die Hand hin.
Wie konnte es nur sein, dass seine Haut so weiß war, obwohl es Sommer war? Und wieso dachte sie nur an etwas so Unwichtiges? Sie hätte sich nicht einmal bewegen können, wenn sie es wollte, alles was sie spürte, war, dass ihre Welt zusammenbrach.
Dann fühlte sie, wie er ihre Hand ergriff. Mit einem Mal fühlte sich alles anders an, sie ließ sich von ihm auf die Beine ziehen, folgte ihm aus dem Dorf, ohne auch nur einen Blick zurück zu werfen. Es dauerte nicht lange, bis sie begriff, dass er es geschafft hatte, in ihren Kopf zu dringen, ihre Gedanken so zu verändern, dass sie ihm willig folgte. Was die anderen wohl dachten? Dass sie freiwillig mit ihm gegangen war?
„Was weißt du über Magie?“, dieser Satz, den ihre Mutter einmal zu ihr gesagt hatte, kam ihr genau jetzt in den Sinn. „Nichts“ hatte sie damals geantwortet und ihre Mutter beließ es dabei zu sagen, dass dies auch so bleiben wird und sie Sanna sich von der Burg fernzuhalten hätte. Seitdem wurde weder in ihrem zuhause noch im Dorf über Magie gesprochen. Doch warum fiel es ihr jetzt gerade ein, als der Lord sie als sein Pfand einforderte, sie holen kam?
(Ob sie diese Frage beantwortet bekommt und wie es mit Sanna und Lord Michael weitergeht, könnt ihr in „Gefangen in Black Moor Castle“ lesen)